Interdisziplinäres Zentrum für Health Technology Assessment und Public Health (IZPH)

Über uns

Gesellschaften, die einem demografischen Wandel und dabei gleichzeitig Budgetbeschränkungen unterworfen sind, sehen sich mit den Herausforderungen einer effizienten Bereitstellung von Gesundheitsleistungen, einer Qualitätsverbesserung und gleichzeitigen Kostenreduktion konfrontiert. Dies gilt insbesondere für das deutsche Gesundheitssystem. Die Lösung dieser gesellschaftlich bedeutsamen Aufgaben erfordert eine fachübergreifende Versorgungsforschung.

Mit der Gründung des Interdisziplinären Zentrums für Health Technology Assessment und Public Health (IZPH) im Jahr 2001 entstand bislang erstmalig in Deutschland ein thematischer und fakultätsübergreifender Verbund der Medizinischen, Technischen sowie Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten der FAU. Zielsetzung des IZPH ist die wissenschaftliche Politikberatung auf Grundlage von Bevölkerungs- und Registerdaten sowie der Analyse der Gesundheitsversorgung unter Alltagsbedingungen (sogenannte „real-world evidence“).

Versorgungsforschung

In Deutschland werden täglich circa 890 Patienten mit Demenz und circa 590 Schlaganfälle neu diagnostiziert. Diese Zahlen verdeutlichen sehr anschaulich den hohen gesundheitspolitischen Stellenwert der beiden Volkskrankheiten Demenz und Schlaganfall sowie deren Public-Health-Auswirkungen für die sozialen Sicherungssysteme. Gemäß dem Leitspruch You can only manage what you measure sind deshalb bevölkerungsbasierte Register zur Versorgungsforschung von Demenz und Schlaganfall die Forschungsschwerpunkte des IZPH.

Register zur Versorgungsforschung

Digitales Demenzregister Bayern (digiDEM Bayern)

Erlanger Schlaganfall Register (ESPro)

Bayerischer Demenz Survey (BayDem)

Health Technology Assessment/Technologie-Folgenabschätzung im Gesundheitswesen

In Deutschland werden immer mehr Menschen durch gefährliche Implantate und Prothesen verletzt oder getötet. Allein im Jahr 2017 wurden insgesamt rund 14000 Mal Verletzungen, Todesfälle und andere Probleme im Zusammenhang mit Medizinprodukten gemeldet. Die Behörden überlassen es in der Regel den Herstellern selbst, fehlerhafte Medizinprodukte zurückzurufen oder Sicherheitswarnungen auszusprechen. Seit 2010 geschah dies pro Jahr in circa 1000 Fällen – durchschnittlich rund dreimal pro Tag. Von den Behörden wurde ein Rückruf im gleichen Zeitraum nur sechs Mal angeordnet. Um die Bürgerinnen und Bürger vor fehlerhaften Medizinprodukten, insbesondere bei Implantaten und Prothesen, nachhaltig und wirksam zu schützen, sind Implantat-Register notwendig.

In Kooperation mit dem Medizintechnik-Spitzencluster Medical Valley EMN untersucht das IZPH die strukturellen und inhaltlichen Anforderungen, denen Implantat-Register genügen müssen, um den Schutz der Bevölkerung sicherzustellen. Konzepte der Qualitätssicherung, Transparenz der Daten, Berichterstattung gegenüber der Öffentlichkeit (Reporting) und Aspekte einer unabhängigen Finanzierung der Implantat-Register stehen dabei im Vordergrund. Die Arbeiten und Veröffentlichungen des IZPH zu diesem Forschungsschwerpunkt wurden von der Gesundheitspolitik aufgegriffen und fanden ihren inhaltlichen Niederschlag in dem im Januar 2019 vom BMG veröffentlichten „Entwurf eines Gesetzes zur Errichtung eines Deutschen Implantateregisters (Implantateregister-Errichtungsgesetz – EIRD)“ (PDF).

Gesundheitsökonomie

Die Gesundheitsausgaben in Deutschland haben im Jahr 2017 erstmals die Marke von 1 Milliarde Euro pro Tag überschritten. Im Jahr 2017 betrugen die Gesundheitsausgaben gemäß Destatis insgesamt 374 Milliarden Euro, was einem Anteil von 11,3% am Bruttoinlandsprodukt entspricht. Der hohe Anstieg ist insbesondere in den hohen Versorgungskosten für chronische Erkrankungen begründet. In Anbetracht der demographischen Entwicklung in Deutschland und der damit verbundenen Alterung der Gesamtbevölkerung ist von einer weiteren Zunahme der Versorgungskosten im Bereich der altersbedingten Erkrankungen auszugehen. Die Forschungsschwerpunkte des IZPH sind deshalb zum einen Krankheitskostenstudien zu Volkskrankheiten mit einer hohen Public-Health-Relevanz für die Versorgungssysteme, wie Demenz, Schlaganfall und Herzinsuffizienz.

Für die Volkskrankheit ‘Herzinsuffizienz’ beliefen sich die Jahreskosten in Deutschland auf rund 23.000 Euro pro Patient, die lebenslangen Kosten auf insgesamt rund 113.000 Euro pro Patient. Diese Studien dienen Kostenträgern, Leistungserbringern sowie der Gesundheitspolitik als Grundlage für die Versorgungsplanung. Zum anderen führt das IZPH gesundheitsökonomische Evaluation zu pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Verfahren und erforscht neue methodische Ansätze, um den gesamtgesellschaftlichen Nutzen von innovativen Gesundheitstechnologien transparent abzubilden und den Akteuren der Selbstverwaltung (G-BA, GKV-Spitzenverband) dadurch eine für die Beitragszahler nachvollziehbare und ausgewogene Erstattungsentscheidung (reimbursement decision) zu ermöglichen.